Beim Aufräumen meines Postfaches bin ich noch auf den untergegangenen Wettkampfbericht von Michael Drewes-Kuhlmann über den Triathlon in Köln gestolpert. Hier also nun seine Ausführungen in voller Länge:
Jedes Jahr am ersten September-Wochenende findet in Köln das CTW (Cologne triathlon weekend) statt mit Kindertriathlon, Volks -, Olympia-, Halb- und Langdistanz. Dieses Jahr war ich auf der Halbdistanz als harter Konkurrent von Ironman-Europameister Andreas Raelert dabei und kann diese Veranstaltung trotz meiner Skepsis wegen der zwei Wechselzonen und ein paar kleinerer Schwächen wärmstens empfehlen.
Infos über die Veranstaltung vorweg, der Wettkampfbericht am Schluss.
Zum CTW:
- Die Ausgabe der Startunterlagen, das Fahrrad-Check-In und der Schwimmstart auf der Regattabahn des Fühlinger Sees liegen dicht beieinander.
- Die Anreise per Auto ist einfach. Die Anreise per Bahn dank der Shuttle-Busse vom zentral gelegenen Maritim-Hotel ebenfalls.
- Das Übernachten in Wohnwagen, Wohnmobilen oder Zelten am Fühlinger See ist an diesem Wochenende erlaubt. Übernachtungen im Zentrum Kölns ziehen dank der Shuttle-Busse auch keine komplizierten logistischen Überlegungen nach sich, wenn man an die 30 min Fahrzeit und 10 min Fußweg (immer den Leuten hinterher!) denkt.
- Das Wetter ist in jedem Fall im September nicht zu heiß. Kalt kann es schon mal sein. In diesem Jahr war es optimal!
- Nachmeldungen waren auch in diesem Jahr noch auf allen Distanzen möglich. Die Fahrräder sollten bis 1 h vor dem Start in der Wechselzone sein.
- Die Langdistanz startet am Sonntag um 7:00 Uhr, die Halbdistanz um 12:30 Uhr und die olympische Distanz um 16:00 Uhr. Am Samstag gibt es die Volks-und Kinder- Wettkämpfe.
- Langdistanzler müssen sich eventuell beim Radeln auf ein einsames Rennen einstellen, da es in diesem Jahr gerade mal 300 Starter gab. Im nächsten Jahr sieht das aber vielleicht schon besser aus, da dann die Deutschen Meisterschaften in Köln ausgefochten werden.
- Auf der halben Distanz kam kaum Langeweile auf. 750 Starter sind bei einer großen und einer kleinen Runde Abwechslung genug.
- Schwierig war zum einen nur das Rad-Check-out. Da die Helfer die Fahrräder nach der Reihenfolge der Ankunft abstellten und die Uhrzeit beim Wechsel nicht allen Sportlern so ganz klar war, konnte man viele Leute beobachten, die ziemlich lange nach ihrem Rad suchten.
- Zum anderen war für einige der 400m- Weg vom Zieleinlauf zum Verpflegungsschiff auf dem Rhein auch nicht so ganz leicht zu finden. Genauso wenig, wie die Kleiderbeutel unter der Brücke.
Nun zum eigentlichen Wettkampf:
Das Schwimmen ist wunderbar einfach. Da es auf der Ruderregattabahn stattfindet, kann man sich herrlich an den Bojen, die die Bahnen voneinander trennen, und den Verbindungsseilen in 1,5 m Tiefe orientieren. Selbst mir gelang es diesmal nicht, Umwege zu schwimmen. Hilfreich sind auch die Entfernungsschilder am Ufer alle 250 m. Nur sollte man nicht erst, so wie ich, 1 min vor dem Startschuss ins Wasser gehen, da man bis zur Startlinie erst noch circa 60 m schwimmen muss. Andreas Raelert kam nach 22 min als Erster aus dem Wasser, ich war mit 38 min knapp dahinter.
Der Laufweg in die 1. Wechselzone ist circa 200 m, innerhalb der Wechselzone gibt es noch einmal 100 m zu laufen. Die Orientierung ist dank der nummerierten Reihen ziemlich einfach. Andreas Raelert, dem ich ja zunächst die Führung überließ um ihn in Sicherheit zu wiegen, brauchte für den Wechsel rund 1,5 min. Ich ließ mir ganz entspannt 6 min Zeit.
Das Radfahren war für mich einfach klasse. Die Strecke ist fast völlig flach und mit wenig Kurven. Bei Wind können die langen Geraden sehr nervig sein, aber in diesem Jahr spielte der Wind kaum eine Rolle. Eine große Runde ist 54 km lang, die kleine 20 km und die Entfernung zur zweiten Wechselzone 16 km. Andreas Raelert fuhr einen 44er-Schnitt. Ich war mit den für mich unerwartet guten 32,5 km/h nur unerheblich langsamer.
Die zweite Wechselzone an der Deutzer Brücke ist sehr angenehm, da einem das Rad abgenommen und der Kleiderbeutel in den meisten Fällen gleich nach der Fahrradabgabe in die Hände gedrückt wird. Gewöhnungsbedürftig ist, dass man in der Wechselzone 20 m Höhendifferenz per Treppe zur Laufstrecke hin überwinden muss. Andreas Raelert brauchte keine 2 min. Für mich standen 9 min zu Buche, von denen ich mindestens vier Minuten in der Strafbox verbringen musste. Ein Wettkampfrichter, irren ist menschlich, brummte ausgerechnet mir, der fast jedem Windschatten ausweicht, eine Strafzeit auf. Ihm war anscheinend entgangen, dass seine eigentliche Zielperson, die vorher rund 2 min in einem recht ähnlichen Trikot hinter mir herfuhr, mich erst 10 s zuvor überholt hatte. Nun hielt er mich für den Hinterrad-Lutscher. Pech für Andreas Raelert, wie sich danach zeigen sollte. Aber immerhin eine neue Erfahrung für mich. Natürlich auch ein Fleck auf der moralisch weißen Weste. Denn wer glaubt einem schon - bei so vielen Windschattenfahrern, die ständig ihre Unschuld reklamieren - , dass ausgerechnet man selbst wirklich unschuldig ist.
Das Laufen bestand aus zwei 10 km-Runden. Jedes Mal über die Deutzer Brücke (mit den entsprechenden Höhenmetern) und dann am Ostufer des Rheins entlang bis zum Wendepunkt und zurück mit dem Blick auf den Dom und alle Mitstreiter. Das Ziel ist dann noch einmal 300 m weiter direkt auf dem Heumarkt neben dem Maritim-Hotel - mit rotem Teppich und vielen Zuschauern. Raelert hat für den Halbmarathon rund 72 min gebraucht. Ich war nur schlappe 52 min langsamer. Dafür jubelte mir aber mein Kölner Enkelkind zu. Das hatte sie bei Andreas Raelert nicht getan.
Beinahe hätte ich ihn also geschlagen, den Hawaii-Zweiten Andreas Raelert. Denn gerade mal 1 min hat mir gefehlt, dann hätte ich ihn zu Beginn meiner Laufstrecke und kurz vor seinem Zieleinlauf schlagen können - anerkennend auf die Schulter. Und vielleicht war es ja gerade diese fehlende Anerkennung, die ihm auf Hawaii auf den letzten 2 km den Sieg gekostet hat. Da sieht man mal wieder, woran Wettkampfrichter so alles Schuld haben. Aber im nächsten Jahr wird natürlich immer alles besser. |